Die Sache mit der Verantwortung ist nicht so einfach! Manchmal hast du sie und willst sie nicht, manchmal willst du sie, bekommst sie aber nicht. Verantwortung hat deshalb auch eine ganze Menge mit Motivation zu tun.

Mit der Neufassung der Stufenschwerpunkte sollte dem wichtigen Thema „Verantwortung“ ein bedeutender Platz eingeräumt werden. Auch wenn der Rover Stufenkonferenz bewusst war, dass das Thema nicht ganz einfach ist. Doch man kam zu der Überzeugung, dass Roverinnen und Rover in der Roverzeit die Möglichkeit haben sollten, die Freiheit der Entscheidungen zu lernen und zu leben.

Verantwortung in der Roverrunde

Während der Roverzeit verändert sich viel. Jugendliche bekommen mehr Freiraum, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Gleichzeitig wachsen aber auch die Erwartungen, die an Roverinnen und Rover gestellt werden. Verantwortung zu tragen ist die Verpflichtung, bestimmte Aufgaben zu übernehmen und sich dafür einzusetzen, dass sie bestmöglich umgesetzt werden.

Die Fähigkeit zur Verantwortung ist in jedem Menschen angelegt. Die Entwicklung dieses Potenzials ist jedoch abhängig von den Erfahrungen, die du in deiner kulturellen und sozialen Umwelt machst. Verantwortung ist lernbar und auf Lernen angewiesen.

Die wichtigsten Bereiche, in denen Roverrunden Verantwortung übernehmen sollen, sind:

„Eigenverantwortung“,
„Verantwortung in der Gruppe“ und
„Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft“.

Eigenverantwortung

Wenn du eigenverantwortlich bist, dann übernimmst du für dein eigenes Handeln und deine selbst getroffenen Entscheidungen Verantwortung. Das heißt, die daraus folgenden Konsequenzen werden akzeptiert. Es werden keine „Schuldigen“ gesucht. Außerdem bedeutet dies auch, Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen.

Verantwortung für sich selbst umfasst dabei folgende Aspekte:

  • Auf die eigene körperliche und mentale Gesundheit zu achten;
  • Ziele und Wünsche zu haben und sie erreichen zu wollen;
  • Eigene Leistungsgrenzen zu erkennen und zu respektieren.

Wenn du es schafft, diese Aspekte ausgewogen im Blick zu haben legt du eine wesentliche Grundlage, um psychisch widerstandsfähig (resilient) zu werden und zu bleiben.

Verantwortung in der Gruppe

Je umfangreicher die Aufgaben werden, desto häufiger ist es notwendig Verantwortlichkeiten für die jeweilige Situation zu klären. Der Leitung fällt dabei die Aufgabe zu, die Verantwortungsübernahme zu begleiten. Und wo es notwendig ist, muss sie Transparenz herstellen. Dabei gilt es zwischen der Person und dem Bereich wofür Verantwortung übernommen wird zu unterscheiden. Es ist sinnvoll, dass du dich mit deinen Roverinnen und Rovern darüber unterhältst, wie viel Verantwortung sie tragen wollen und können. Mit wachsender Freiheit und Selbständigkeit erweitern sich die Bereiche für die Verantwortung übernehmen werden muss und darf. Sie stellen somit das Spiegelbild der persönlichen Verantwortung dar.

Als Leiterin oder Leiter übernimmst du oft die Aufgabe der Moderatorin oder des Moderators. Du versuchst sicherzustellen, dass die Verantwortung weder eine Unter- noch eine Überforderung wird. Deine Aufgabe ist es, bei Überforderung schützend einzugreifen (z.B. Anforderungen aus der Leiterrunde). Dabei sollst du aber nicht den Raum für persönliche Verantwortung einschränken.

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft

Papst Franziskus stellt in der Enzyklika „Laudato Si“ die Verantwortung anderen Menschen und der Umwelt gegenüber in den Mittelpunkt. Sein Ziel ist ein weltweiter Dialog, um Lösungen für die Zukunft des Planeten zu finden. Papst Franziskus formuliert ethische Überlegungen, die sich ausdrücklich auch an andersgläubige oder nicht gläubige Menschen richten.

Für den Umgang mit der Umwelt sind die Folgen für den Menschen maßgeblich. Dass dabei alle Menschen gleichermaßen einbezogen werden, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Zum einen müssen die Bedürfnisse aller heute lebenden Menschen berücksichtigt werden, zum anderen die der zukünftigen Generationen. Wer handelt, ist in der Verantwortung, die Folgen seines Handelns dahingehend zu prüfen. Dieser Gedankengang lässt sich auf unseren Umgang miteinander, also auch auf unsere gesellschaftliche Verantwortung übertragen.

Die allermeisten Menschen in Deutschland haben eine positive Einstellung zur Umwelt. Im Alltag spiegelt sich jedoch oft nicht in Verhaltensänderungen. Dies hängt mit den individuellen Möglichkeiten zusammen, mit gesellschaftlichen Konventionen und fehlender Eigeninitiative. Ein wichtiger Faktor für notwendige Verhaltensänderungen ist die moralische Wertschätzung durch andere.

Diese Anerkennung für die notwendigen Verhaltensänderungen können Roverinnen und Rover in ihrer Runde und durch dich erfahren. Gruppenstunden und Aktionen bieten eine gute Möglichkeit, das eigene Verhalten zu hinterfragen und Handlungsalternativen auszuprobieren. Konkret kannst du z. B. anregen, dass die Runde sich mit dem Speiseplan beim Lager auseinandersetzt oder ihr überprüft gemeinsam die Möglichkeiten, den eigenen CO2-Fußabdruckes zu kompensieren.

Text für die Roverstufe: Christoph Rechsteiner